Wir freuen uns sehr, heute einen besonderen Gastbeitrag mit euch zu teilen! Der Artikel stammt von einer guten Freundin von uns, die als Hebamme tätig ist und über einen grossen Erfahrungsschatz in den Bereichen Frauengesundheit und Geburtsvorbereitung verfügt.
In diesem Beitrag geht sie der spannenden Frage nach, ob Datteln tatsächlich dabei helfen können, den Körper auf die Geburt vorzubereiten. Mit ihrem fachlichen Wissen und ihrer praktischen Erfahrung bringt sie eine besonders wertvolle Perspektive in dieses Thema ein.
Wenn ihr mehr von ihr lesen möchtet, schaut unbedingt auch auf ihrer eigenen Website vorbei, auf der sie ihr Wissen rund um Schwangerschaft und ganzheitliche Geburtsvorbereitung teilt und auch Kurse anbietet 😊. ganzheitlichmama.ch
Datteln in der Schwangerschaft essen und leichter gebären? Als Hebamme schaue ich mir an, was Studien wirklich sagen, wie Datteln auf Zervixreifung und Wehenbeginn wirken und ob sie auch bei Schwangerschaftsdiabetes erlaubt sind.
Schon seit Jahrtausenden geniessen Datteln in der arabischen und afrikanischen Welt einen besonderen Status, besonders rund um Geburt und Schwangerschaft. Was Generationen von Müttern und Hebammen intuitiv wussten, erforscht heute die Wissenschaft und liefert uns endlich die Erklärungen dazu.
Können Datteln wirklich dazu beitragen, dass deine Geburt kürzer und sanfter verläuft? Bereiten ihre Wirkstoffe deinen Körper gezielt auf die Geburt vor? Und was ist, wenn du einen Schwangerschaftsdiabetes hast, sind Datteln dann überhaupt erlaubt?
Diesen Fragen bin ich, Ursina, Hebamme seit 7 Jahren mit Spezialisierung auf natürliche Geburt und Geburtsvorbereitung, auf den Grund gegangen.
Datteln essen und schneller gebären? Das sagen die Studien
Es wird gemunkelt, dass 6 bis 7 Datteln pro Tag ab ca. 4 Wochen vor dem Geburtstermin zu einer kürzeren Geburtsdauer, weniger Schmerzen und sogar weniger Interventionen wie Einleitungen führen sollen. Aber stimmt das wirklich?
Die gute Nachricht: Es gibt mehrere hochwertige Studien zu Datteln als Geburtsvorbereitung, darunter Meta-Analysen und systematische Übersichtsarbeiten. Das erhöht das Evidenz-Level erheblich. Das Thema ist also wissenschaftlich gut aufgearbeitet.
Das Fazit aller Studien ist bemerkenswert einheitlich: Schwangere, die regelmässig Datteln gegessen haben, kamen mit einem deutlich besseren Ausgangsbefund ins Krankenhaus. Der Gebärmutterhals war schon verkürzt, der Muttermund leicht geöffnet, der Körper war bereits reifer. Das führte zu einer insgesamt kürzeren Geburtsdauer, und Interventionen wie Einleitungen, Wehenmittelgaben und Schmerzmittel wurden seltener benötigt.
Wie wirken Datteln auf deinen schwangeren Körper?
Datteln wirken mit ihren Inhaltsstoffen positiv auf die Schwangerschaftshormone, vor allem auf jene, die den Gebärmutterhals reifen lassen und die Kontraktionsfähigkeit des Uterus fördern: Prostaglandine und Östrogene. Die natürliche Zervixreifung, also die Vorbereitung des Muttermundes auf die Geburt, wird vorallem durch Prostaglandine ausgelöst und Datteln liefern die Bausteine zur Bildung von Prostaglandinen.
Im letzten Trimester bildet dein Körper Tausende neuer Oxytocin-Rezeptoren an der Gebärmutter und im Nervensystem. Oxytocin ist das Hormon, das Wehen auslöst und die Gebärmutter zum Kontrahieren bringt. Aber es reicht nicht, wenn es einfach im Blut zirkuliert. Es braucht Andockstellen, um seine Wirkung zu entfalten. Und für den Aufbau dieser Andockstellen ist eine ausreichende Östrogenkonzentration entscheidend.
Genau hier kommen die Datteln ins Spiel: Sie enthalten Phytoöstrogene, also pflanzliche Östrogen-ähnliche Stoffe, die indirekt dabei helfen, mehr Oxytocin-Andockstellen aufzubauen.
Und hier steckt auch der mögliche Grund für die schmerzlindernde Wirkung: Oxytocin schüttet Endorphine (das körpereigene Schmerzmittel) aus, aber nur wenn es an einen Rezeptor gebunden ist. Also umso mehr Andockstellen desto mehr gebundes Oxytocin und desto stärker auch die natürliche Schmerzlinderung. So zumindest die Theorie.
Datteln essen = perfekte Geburt? Meine ehrliche Einschätzung
Heisst das also, einfach Datteln essen und alles wird gut? Jein. Das wäre zu einfach und zu schön um wahr zu sein.
Es wird so oder so alles gut, und Angst ist das Letzte, was du beim Gebären gebrauchen kannst. Aber Geburtsvorbereitung ist weitaus komplexer und persönlicher. Meiner Meinung nach bilden drei Säulen die Basis für eine wirkungsvolle Geburtsvorbereitung:
- Wissen: Eigne dir so viel Wissen wie möglich an. Wissen ist befreiend und hilft, Ängste loszulassen. Entdecke, was für ein Wunderwerk dein Körper und dein Baby sind.
- Seele: Ängste aufarbeiten, loslassen und ins Vertrauen kommen. Die Schwangerschaft ist eine Reise, die du bewusst zur Transformation nutzen kannst. Hypnose, Visualisierungen, Journaling und Rituale helfen dabei.
- Körper: Geburt ist eine extreme Leistung. Dein Körper sollte einigermassen fit sein. Mit Yoga lässt sich nicht nur die Weite des Beckens, sondern auch die Position des Babys optimieren. Und dann ist da natürlich noch die Ernährung, bei der Datteln definitiv ihren verdienten Platz haben.
Meine bewährte Empfehlung: 6 bis 7 Datteln pro Tag ab der 36. Schwangerschaftswoche, und gleichzeitig einfache Kohlenhydrate und Zucker reduzieren oder ganz weglassen. Mehr dazu findest du in meinem Blog über die Louwen-Diät.
Ausserdem empfehle ich dir, Datteln als Geburtssnack in die Kliniktasche zu packen. Eine Unterzuckerung kann schnell zu einer Wehenschwäche führen, und Datteln halten den Blutzucker über längere Zeit stabil, ohne die Achterbahnfahrt, die zBspl. Traubenzucker verursacht. Die Sorten Ajwa, Kholas und Sukari eignen sich hier mit ihrem hohen Ballaststoffanteil besonders gut und schlagen die berühmten Medjool-Datteln um Längen. In meinem Hausgeburtskoffer habe ich übrigens immer welche dabei. :)
Datteln bei Schwangerschaftsdiabetes, erlaubt oder verboten?
Nicht unbedingt verboten. Wenn du einen Schwangerschaftsdiabetes hast, weisst du wahrscheinlich schon, dass nicht allein der Zuckergehalt eines Lebensmittels zählt, sondern vielmehr der Glykämische Index, kurz GI. Je tiefer der GI, desto langsamer steigt der Blutzucker. Und hier überraschen Datteln: Trotz ihres hohen natürlichen Zuckergehalts haben sie einen GI von nur 35 bis 50, je nach Sorte. Zum Vergleich: Weissbrot liegt bei 75.
Der Grund liegt im hohen Ballaststoffgehalt der Datteln, der die Zuckeraufnahme im Körper verlangsamt.
Trotzdem gilt auch hier:
- Immer in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin
- In Massen, nicht alle auf einmal
- Am besten mit Fett und Protein kombinieren, zum Beispiel mit Nussbutter oder Käse, das verlangsamt den Blutzuckeranstieg zusätzlich
- Den Blutzucker danach messen und beobachten, wie dein Körper reagiert
Wer diese Punkte beachtet, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit auch mit Schwangerschaftsdiabetes auf die Datteln in der Geburtsvorbereitung nicht verzichten.
Fazit: Datteln zur Geburtsvorbereitung, ein kleines Superfood mit echter Wirkung
Die Datenlage ist für ein natürliches Lebensmittel bemerkenswert konsistent: Mehrere randomisierte Studien und Meta-Analysen zeigen übereinstimmend, dass regelmässiger Dattelkonsum ab der Spätschwangerschaft die Zervixreifung verbessert, Geburtseinleitungen seltener notwendig macht und die Geburtsphasen verkürzen kann.
Datteln gehören zu den wenigen Süssigkeiten, die sich gut in eine bewusste, zuckerreduzierte Ernährung integrieren lassen. Und sie können, mit der richtigen Absprache und Blutzuckerkontrolle, sogar bei Schwangerschaftsdiabetes genossen werden.
Aber klar ist auch: Die Dattel ist kein Wundermittel, das dir die Traumgeburt garantiert. Dafür braucht es eine ganzheitliche Geburtsvorbereitung, denn viele Faktoren beeinflussen, wie eine Geburt verläuft. Falls du dich individuell und ganzheitlich auf deine Geburt vorbereiten möchtest, schau gerne vorbei: ganzheitlichmama.ch
Wissenschaftliche Quellen
- Al-Kuran et al. (2011): J Obstet Gynaecol, Prospektivstudie Jordanien
- Kordi et al. (2017): PMC, Dattelkonsum und Geburt bei Erstgebärende
- Bagheri et al. (2013): JMRH, RCT Zervixreifung, Mashhad/Iran
- Nasiri et al. (2019): Complementary Therapies in Medicine, Systematischer Review und Meta-Analyse
- Sagi-Dain und Sagi (2020): Explore Journal, Meta-Analyse Geburtsverlauf
- Zahedifard et al. (2024): Sultan Qaboos Univ Med J, Übersichtsarbeit
- Bahri Khomami et al. (2026): ResearchGate, Narrativer Review
- Moses et al. (2009): Diabetes Care, Low-GI-Diät bei Schwangerschaftsdiabetes (RCT)
- Kadić A. et al. (2025): Medical Archives, Datteln und Geburt, Sarajevo
